Berufsbildung in Forschung und Praxis
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Movetia unterstützt den Austausch von Fachleuten der Berufsbildung

Impulse aus Australien für den Schweizer Bildungsgang zur Berufsbildungslehrperson

In vielen Ländern der Welt existiert ein gut strukturiertes Berufsbildungssystem – auch wenn die Kompetenzen vornehmlich schulisch und über Praktika vermittelt werden. Australien ist ein solches Land. Im Rahmen eines Weiterbildungsaufenthalts erhielten zwei Studiengangleitende der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung (EHB) vertiefte Einblicke in die Ausbildung von berufsbildenden Lehrpersonen am Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) und in das australische Berufsbildungssystem insgesamt. Der fachliche Austausch vor Ort in Melbourne ermöglichte differenzierte Einblicke und anregende Diskussionen. Unabhängig vom Aufenthalt wurde ein Projekt zur vergleichenden Betrachtung der Ausbildung von Berufsschullehrpersonen in der Schweiz und in Australien durchgeführt. Es liefert wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung hiesiger Lehrgänge – darunter die Idee, die Fähigkeit, gute Prüfungen durchzuführen, stärker zu gewichten. Das Projekt wurde von Movetia unterstützt.


Einleitung

Die Berufsbildung stellt sowohl in Australien als auch in der Schweiz einen zentralen Pfeiler der Arbeitsmarktintegration und Qualifikationsentwicklung dar. Während die schweizerische Berufsbildung international häufig als Referenzmodell gilt, verfügt auch Australien über eine stark arbeitsmarktorientierte Vocational Education and Training (VET) mit national anerkannten Qualifikationen und hoher Bedeutung für die Wirtschaft. Die Ausbildung der Lehrpersonen der Berufsbildung nimmt dabei eine Schlüsselrolle für Qualität, Stabilität und Weiterentwicklung der Berufsbildung ein.

Dank Movetia in Australien, von links: Thomas Meier, Ani Tom Vellaramkunnel, Michael Jöhr, xxx.

Der vorliegende Beitrag thematisiert, wie Lehrpersonen der Berufsbildung in Australien ausgebildet werden, auf welchen strukturellen Grundlagen diese Ausbildung beruht und wie sie sich im Vergleich zur Ausbildung von Berufsfachschullehrpersonen in der Schweiz darstellt. Zur Einordnung wird zunächst ein Überblick über das australische Berufsbildungssystem gegeben. Darauf folgt ein Einblick in den australischen Ausbildungsgang Training and Assessment TAE zur Berufsschullehrperson. Anschliessend werden entlang der Vergleichsdimensionen Curricula, Praxisanteile, Prüfungsverfahren und Sicherstellung beruflicher Aktualität Vergleiche mit der schweizerischen Ausbildung von Berufsfachschullehrpersonen vorgenommen. Abschliessend werden Erkenntnisse formuliert, die sich aus dem australischen Modell für die Weiterentwicklung der Ausbildung von Berufsfachschullehrpersonen in der Schweiz nutzen lassen.

2. Kurzüberblick: Berufsbildung in Australien

Australien verfügt wie die Schweiz über eine stark arbeitsmarktorientierte Berufsbildung, die durchlässig zu höheren Bildungsstufen ist.

Australien verfügt wie die Schweiz über eine stark arbeitsmarktorientierte Berufsbildung, die durchlässig zu höheren Bildungsstufen ist (Barabasch, Scharnhorst & Kurz, 2009; Knight & Mlotkowski, 2009). Sein Berufsbildungssystem bietet eine breite Palette national anerkannter Qualifikationen. Ziel ist die Vermittlung praxisorientierter Kompetenzen für eine unmittelbare oder erneute Arbeitsmarktbeteiligung. Es richtet sich sowohl an junge Menschen beim Übergang in den Arbeitsmarkt als auch an Erwachsene, die nach Erwerbsunterbrüchen, beruflichen Neuorientierungen oder zur Kompetenzaktualisierung ein Bildungsangebot nutzen. Berufsbildungsgänge werden von öffentlichen TAFE-Einrichtungen (Technical and Further Education), privaten registrierten Ausbildungsorganisationen RTO (Registered Training Organisations) und dualen Universitäten wie dem Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) angeboten. Die Qualifikationen basieren auf dem Australian Qualifications Framework (AQF), der die VET-Abschlüsse in Stufen von grundlegenden Zertifikaten bis höheren beruflichen Qualifikationen einordnet und anerkennt:

  • Certificate I (AQF 1): Grundlegende Basisfertigkeiten; stark angeleitete Tätigkeiten
  • Certificate II (AQF 2): Einfache berufliche Kompetenzen; routinierte Aufgaben
  • Certificate III (AQF 3): Vollqualifizierte Fachkraft; selbständige Berufsausübung
  • Certificate IV (AQF 4): Spezialisierte Kompetenzen; Koordination und Problemlösung
  • Diploma (AQF 5): Paraprofessionelles Niveau; Planung, Analyse, Teamverantwortung
  • Advanced Diploma (AQF 6): Hohe fachliche/technische Kompetenz; komplexe Aufgaben, Übergang zur Hochschule

Im Rahmen des Australian Quality Training Framework (AQTF) müssen staatlich anerkannte berufliche Bildungsgänge verbindliche Qualitätsstandards erfüllen. Ziel ist die landesweit einheitliche Sicherstellung qualitativ hochwertiger Ausbildungsergebnisse (Knight & Mlotkowski, 2009). Die Australian Skills Quality Authority (ASQA) reguliert den Sektor risiko- und nachfragebasiert, u.a. durch die Subventionierung einzelner Berufsbildungen. ASQA stellt zudem sicher, dass Lehr- und Prüfungsverfahren national konsistent und arbeitsmarktrelevant ausgestaltet sind. Im australischen Berufsbildungssystem beruhen alle national anerkannten Qualifikationen grundsätzlich auf Training Packages. Ein Training Package ist ein offizieller Satz national anerkannter Standards und Qualifikationen. Sie definieren die Fähigkeiten und Kenntnisse, die für eine effektive Arbeit am Arbeitsplatz erforderlich sind, und bieten den Rahmen für die Entwicklung, Vermittlung und Bewertung von VET-Qualifikationen (ASQA, 2025a).

Die Berufsbildung umfasst über 500 anerkannte arbeitsmarktbezogene Qualifikationsprofile und kann in unterschiedlichen Formaten (vollzeitlich oder teilzeitlich; schulbasiert [rund 85%] oder dual [rund 15%]) absolviert werden. Duale Ausbildungen werden meist für handwerkliche Berufe wie Elektriker/in oder Sanitärinstallateur/in angeboten. VET-Qualifikationen bieten Anschlussmöglichkeiten zu höheren Abschlüssen im VET-Bereich oder zu Bachelorstudiengängen. Diese Übergänge werden beispielsweise durch garantierte Credit Transfers von Advanced Diplomas in entsprechende Bachelorprogramme erleichtert. Auch Higher Degree Apprenticeships gewinnen an Bedeutung, die VET und Hochschulbildung enger verzahnen (Apprenticeship Support Australia).

Die Governance des Systems basiert auf geteilter Verantwortung: Die Bundesstaaten und Territorien sind für Umsetzung und Finanzierung zuständig, während Rahmenvereinbarungen und strategische Leitlinien national vorgegeben sind. Industry Reference Committees stellen die arbeitsmarktliche Relevanz der Qualifikationen sicher.

3. Training and Assessment TAE: Ausbildung zur Lehrperson der Berufsbildung in Australien

Die australische Ausbildung zur Lehrperson der Berufsbildung ist selbst als Berufsbildung organisiert. Das Mindestniveau bildet das Certificate IV (AQF 4) in Training and Assessment TAE (Australian Government, 2024), das auf grundlegende Kompetenzen in Unterrichtsplanung, Durchführung, Bewertung und regulatorischer Compliance fokussiert. Der Einstieg in die Lehrtätigkeit der Berufsbildung erfolgt immer über diese Stufe. Zugelassen ist, wer über berufliche Fachkompetenz (mindestens auf dem Niveau der zu vermittelnden Qualifikation) und über ausreichende Sprach-, Lese- und Schreibkompetenz sowie Rechenkompetenz verfügt (Languagce, Literacy and Numeracy LLN). Aufbauend auf dem Certificate IV ermöglichen Diplom-Programme (AQF 5) eine Spezialisierung auf komplexe Trainings-, Entwicklungs- und Führungsaufgaben. Höhere Qualifikationen wie Graduate Certificates und Graduate Diplomas (AQF 8) adressieren spezialisierte Bereiche wie Bildung, Sprach- und Alphabetisierungspädagogik oder strategische Programmentwicklung. Diese gestufte Struktur ermöglicht es, Lehrpersonen je nach beruflicher Erfahrung, Tätigkeitsschwerpunkt und institutionellen Anforderungen zielgerichtet aus- und weiterzubilden.

Die Kerncurricula konzentrieren sich auf die Konzeption und Durchführung von Berufsbildungsprogrammen, kompetenzbasierte Bewertungen, die Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz der Lernenden sowie die Einhaltung von Qualitätsstandards. Die Bildungsgänge sind stark durch nationale Training Packages gesteuert (siehe oben). Dennoch verfügen die Ausbildungsinstitutionen über eine gewisse Flexibilität: Ein Certificate IV in TAE besteht beispielsweise aus sechs Kernmodulen (Pflicht) und sechs Wahlmodulen, die auf Basis der Training Packages selektiert werden (ASQA, 2025b).

Trotz der Beliebtheit der beruflichen Bildung ist es in Australien schwierig, qualifizierte Berufsschullehrpersonen zu gewinnen.

Trotz der Beliebtheit der beruflichen Bildung ist es in Australien schwierig, qualifizierte Berufsschullehrpersonen zu gewinnen und zu halten. Gründe sind Lohnunterschiede zur Privatwirtschaft sowie die Herausforderung, Berufsaktualität (Currency) und pädagogische Professionalität in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen (Misko, Guthrie & Waters, 2021).

4. Gegenüberstellung ausgewählter Schlüsselpunkte

Vergleicht man die Ausbildung Lehrperson in der Berufsbildung in Australien und der Schweiz, fallen Unterschiede auf. So sind die Bildungsgänge der Schweiz auf der Hochschulstufe angesiedelt und werden primär nach Ausbildungsort, Fach und z.T. Haupt- und Nebenamt differenziert. Der Eintritt setzt einen Tertiärabschluss voraus, und eine praktische Lehrtätigkeit ist Bestandteil der Ausbildung (SBFI, 2025). Im nachfolgenden Abschnitt werden Hauptunterschiede zwischen dem australischen Ausbildungsgang TAE Certificate IV und dem schweizerischen Bildungsgang zur nebenamtlichen Lehrperson Berufskunde BKU thematisiert.

4.1 Curricula im Allgemeinen

In der Schweiz legt der nationale Rahmenlehrplan für Berufsbildungsverantwortliche RLP BBV (SBFI, 2025) verbindliche Bildungsziele, Inhalte und Standards für die Bildungsgänge zur Lehrperson der Berufsbildung und weitere Berufsbildungsverantwortliche fest. Für Bildungsgänge zur nebenberuflichen Lehrperson BKU drehen sich die Bildungsziele um die Gestaltung von Interaktionsprozessen, die Planung, Durchführung und Evaluation von Lerneinheiten sowie die Förderung und Beurteilung von Lernenden. Hinzu kommen das Verständnis des rechtlichen Umfelds und die Reflexion der eigenen Arbeit (ebd., S. 19-21). Ausgehend von den Bildungszielen sind Inhalte und Standards formuliert. Diese dienen als unmittelbare Grundlage für Curricula und Kompetenzraster der einzelnen Bildungsinstitutionen. Die Konkretisierung und Ausgestaltung der Lerneinheiten ausgehend von den Grundlagen liegt in der Autonomie der einzelnen Bildungsinstitutionen.

Die Kerncurricula für die Ausbildung von Berufsbildungslehrkräften in Australien werden durch das TAE Training Package (Australian Government. 2022) festgelegt, das die erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse für Lehrpersonen der beruflichen Bildung festlegt. Die Kernbereiche sind operativer formuliert und umfassen:

  • Erstellung und Anpassung von Unterrichtsmaterialien und -programmen für Lernende.
  • Förderung des gruppenbasierten und individuellen Lernens in verschiedenen Umgebungen (Klassenzimmer, Arbeitsplatz, online).
  • Planung, Durchführung und Validierung von Bewertungen gemäss kompetenzbasierten Rahmenwerken.
  • Integration von Herangehensweisen, die Sprach-, Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen (LLN) in die Ausbildung und Bewertung unterstützen.
  • Aufrechterhaltung der Branchenrelevanz und Verständnis für die Bedürfnisse der Lernenden.
  • Verständnis des regulatorischen Umfelds und der Qualitätsstandards der beruflichen Bildung.

4.2  Praktische Komponente der Ausbildung

Der Vergleich der praktischen Ausbildungsanteile verdeutlicht unterschiedliche Verständnisse von Praxisnähe und Begleitstrukturen. In der Schweiz ist die begleitete praktische Umsetzung strukturell in die Ausbildung integriert (SBFI, 2025, S. 11), da Studierende je nach Bildungsanbieter bereits als Lehrperson an einer Berufsfachschule angestellt sind oder Praktika absolvieren. Unterrichtspraxis und Ausbildung verlaufen somit parallel, wodurch ein kontinuierlicher Theorie-Praxis-Transfer entsteht. Unterrichtserfahrungen dienen als Ausgangspunkt für Aufgabenstellungen, Reflexionsaufträge und Entwicklungsprozesse. Im berufsbegleitenden Bildungsgang der EHB beispielsweise ist zudem ein Mentoring implementiert, in welchem Studierende durch schulinterne Mentorinnen und Mentoren begleitet werden.

In Australien erfolgt die Praxisentwicklung im Rahmen des Certificate IV TAE stärker standardisiert. Praktische Nachweise sind in jeder Einheit vorgesehen, werden jedoch meistens in simulierten Trainingsumgebungen erbracht.

In Australien erfolgt die Praxisentwicklung im Rahmen des Certificate IV TAE stärker standardisiert. Praktische Nachweise sind in jeder Einheit vorgesehen, werden jedoch meistens in simulierten Trainingsumgebungen erbracht. Praktika oder begleitete Unterrichtstätigkeiten sind je nach Anbieter möglich, aber nicht systematisch verankert. Da keine verpflichtenden Praktika vorgesehen sind, starten viele Lehrpersonen mit begrenzter realer Unterrichtserfahrung, was Herausforderungen in Klassenführung oder Lernunterstützung verstärkt. Obwohl es Bemühungen gibt, neu ausgebildete Lehrpersonen zu begleiten, gibt es kein strukturiertes Mentoring. Nach Abschluss der Ausbildung müssen sie ihre Rolle weitgehend selbstständig entwickeln (Misko, Guthrie & Waters, 2020).

4.3 Prüfverfahren

Rund um das Thema «Prüfen und Bewerten» wird in der Schweiz Bildungsinstitutionen viel Autonomie zugestanden. Mögliche Prüfformen sind zwar im RLP BBV erwähnt, jedoch nicht abschliessend aufgeführt (SBFI, 2025, S. 11). So stehen im Bildungsgang zur nebenberuflichen Lehrperson BKU der EHB formative Elemente im Vordergrund, die den Kompetenzaufbau begleiten und an die Unterrichtstätigkeit der Studierenden gekoppelt sind. Kollegiale Rückmeldungen zu eigenen Unterrichtsvideos, Portfolioarbeiten sowie strukturierte Hospitationen dienen der systematischen Reflexion und Weiterentwicklung. Abschliessend wird die Unterrichtskompetenz bewertet. Dies umfasst eine Unterrichtsplanungen, die Durchführung einer Unterrichtssequenz sowie eine mündliche Reflexionsprüfung (EHB, 2025).

In Australien basiert die Beurteilung im Certificate IV TAE auf den Assessment Requirements der Training Packages. Die ASQA definiert verbindliche Kriterien für jede Bewertung, basierend auf den Gütekriterien und den «Rules of Evidence» (Validity, Sufficiency, Authenticity, Currency). Die Prüfungen müssen sicherstellen, dass die Lernenden in der Lage sind, jede Kompetenz einer Lerneinheit bzw. eines Moduls nachzuweisen. In der Regel stellt die Qualitäts- und Compliance-Abteilung der Ausbildungsorganisation sicher, dass die Prüfungen diesen Anforderungen entsprechen. Die ASQA kann diesbezüglich Audits durchführen (Australian Government, 2022). Die Nachweise erfolgen entweder durch praktische Aufgaben, Wissensüberprüfungen oder simulationsgestützte Assessments. Beispiele für Bewertungsaufgaben sind: Die Studierenden erstellen Unterrichtspläne für simulierte Unterrichtsszenarien, spielen Unterrichtsszenarien in Rollenspielen nach, entwickeln Bewertungen für Kompetenzeinheiten, simulieren die Validierung von Bewertungen usw.

4.4 Qualitätssicherung und Sicherstellung aktueller Erfahrungen (currency)

In der Schweiz überprüft das SBFI in Fünfjahreszyklen durch Anerkennungsverfahren die Konformität mit den Vorgaben und Rahmenbedingungen (SBFI). Dabei wird auch der Zielstufenbezug der Dozierenden überprüft. Für jeden Bildungsgang muss nachgewiesen werden, dass 85% aller Dozierenden über Unterrichtserfahrung auf der Zielstufe verfügen (siehe dazu SBFI, 2017). Weitergehende Verpflichtungen zur Sicherstellung der Aktualität der Erfahrungen bestehen nicht, es gibt jedoch diverse Bemühungen, das sog. doppelte Kompetenzprofil der Dozierenden zu stärken (siehe dazu Arpagaus, 2020; swissuniversities).

Auch in Australien werden die Bildungsgänge und Training Packages in Fünfjahreszyklen überprüft. Die ASQA sowie die Jobs and Skills Councils (JSCs) stellen sicher, dass Inhalte, Assessmentverfahren und Qualifikationsstandards den Grundsätzen Fairness, Validität, Verlässlichkeit und Aktualität entsprechen. Änderungen an Training Packages verpflichten Ausbildungsinstitutionen zur umgehenden Anpassung ihrer Kursangebote. Dieses Modell stärkt die nationale Kohärenz, führt jedoch zu hohen Compliance-Anforderungen. Dozierende in TAE-Lehrgängen müssen regelmässig ihre pädagogischen und fachlichen Kompetenzen unter Beweis stellen. Sie müssen über aktuelle Kenntnisse und Erfahrungen verfügen, die für die von ihnen unterrichteten und geprüften Fächer/Kompetenzen relevant sind (ASQA, 2025b). Jede Ausbildungsinstitution muss über institutionelle Mechanismen zur Planung, Dokumentation und Validierung dieser Kenntnisse verfügen.

5. Fazit

Der Vergleich der Lehrpersonenbildung in der Berufsbildung in Australien und der Schweiz macht unterschiedliche Ansätze sichtbar. Diese Unterschiede eröffnen wertvolle Ansatzpunkte für den internationalen Transfer.

Der Vergleich der Lehrpersonenbildung in der Berufsbildung in Australien und der Schweiz macht unterschiedliche Ansätze sichtbar. Diese Unterschiede eröffnen wertvolle Ansatzpunkte für den internationalen Transfer. Im Folgenden werden zentrale Lernimpulse aus dem australischen Modell für die Weiterentwicklung der Ausbildung von Berufsfachschullehrpersonen in der Schweiz aufgezeigt.

  • Fachliche und pädagogische Aktualität («Currency») der Dozierenden wird in Australien konsequent eingefordert.
  • Entwicklungsfeld für die Schweiz: Verbindlichere und überprüfbare Modelle zur Sicherstellung der Berufsaktualität und des doppelten Kompetenzprofils, etwa durch Praxisimmersionen, dokumentierte Praxis-Updates etc.
  • Prüfen und Bewerten nimmt einen hohen Stellenwert im australischen TAE-Studiengang ein, was sich schon im Namen TAE (Training and Assessment) zeigt.
  • Entwicklungsfeld für die Schweiz: In Anbetracht der Wichtigkeit des Prüfens und der Selektionswirkung von Noten auf die weitere Laufbahn der Lernenden wäre eine stärkere Gewichtung des Prüfens sinnvoll.
  • Australien verfügt über klar verankerte institutionelle Vorgaben zur Qualitätssicherung von Prüfungen und Bewertungen, die auf Gütekriterien abzielen.
  • Entwicklungsfeld für die Schweiz: Qualität von Assessments durch kollegiale und institutionelle Sicherungsprozesse systematischer stärken und Qualitätssicherung als pädagogisches Entwicklungsinstrument verstehen. Ziel ist dabei nicht die Einschränkung pädagogischer Autonomie, sondern die Stärkung professioneller Verantwortung und der Transparenz.
  • Australien entwickelt und nutzt im Zuge der Dokumentation der Aktualität zunehmend Instrumente zur Erfassung und Ausweisung der Kompetenzen der Dozierenden und deren Weiterentwicklung.
  • Entwicklungsfeld für die Schweiz: Ein strukturierter Ansatz zur Dokumentation des lebenslangen Lernens könnte dazu beitragen, die Kompetenzentwicklung und vielfältige, z.T. informelle berufliche Weiterbildung von Dozierenden transparenter zu gestalten und die Anerkennung von Kompetenzen zu erleichtern.

Literaturverzeichnis

  • Apprenticeship Support Australia (n.d.). Starting an apprenticeship or traineeship. [14.12.2025]
  • AQF (n.d.). The Australian Qualifications Framework (AQF). [14.12.2025].
  • Arpagaus, J. (2020). Doppeltes Kompetenzprofil von PH-Dozierenden im Bereich der Berufsbildung. Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung, 38(3), 435-447.
  • ASQA, Australian Skills Quality Authority (2025a). Training packages. [14.12.2025].
  • ASQA, Australian Skills Quality Authority (2025b). Practice guide: Trainer and assessor competencies. [19.12.2025].
  • Australian Government (2022). TAE Training and Education Training Package Companion Volume Implementation Guide (Version 4.0). [24.12.2025].
  • Australian Government (2024). TAE40122 – Certificate IV in Training and Assessment: Qualification details. [14.12.2025].
  • Barabasch, A., Scharnhorst, U. & Kurz, S. (2009). Die Steuerung und Verwaltung des Berufsbildungssystems in der Schweiz. In: F. Rauner (Hrsg.). Steuerung der beruflichen Bildung im internationalen Vergleich (S. 241-288). Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.
  • Knight, B. & Mlotkowski, P. (2009). An overview of vocational education and training in Australia and its links. Adelaide: NCVER
  • Misko, J., Guthrie, H., & Waters, M. (2020). Building capability and quality in VET teaching: Opportunities and challenges. Adelaide: NCVER
  • SBFI, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation. Anerkennungsverfahren von berufspädagogischen Bildungsgängen. [12.12.2025].
  • SBFI, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (2025). Rahmenlehrplan für Berufsbildungsverantwortliche. Bern: SBFI.
  • SBFI, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (2017). Merkblatt Praxisbezug von berufspädagogischen Ausbildungsinstitutionen und deren Dozierenden. Bern: SBFI.
  • Swissuniversities. P-11 Doppeltes Kompetenzprofil (2021–2024). [12.12.2025].
Zitiervorschlag

Jöhr, M., Meier, T., & Vellaramkunnel, A. T. (2026). Impulse aus Australien für den Schweizer Bildungsgang zur Berufsbildungslehrperson. Transfer. Berufsbildung in Forschung und Praxis 11 (2).

https://doi.org/10.64829/14675

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