Berufsbildung in Forschung und Praxis

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Überlegungen zur Höheren Berufsbildung

Zum Wert des Lernens im Prozess der Arbeit

Die Höhere Berufsbildung ist ein spezifisches Segment in der Berufsbildung und hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Neben dem organisierten Lernen in Kursen spielt hier das Lernen im Prozess der Arbeit eine wichtige Rolle. Höhere Berufsbildung fügt sich damit nahtlos in den Prozess der Entwicklung von Beruflichkeit ein.

Gemeinsame Studie der Universitäten Fribourg, Zürich und der EHB

Warum Schulleitungen das Lehren und Lernen digitalisieren wollen

In der vorliegenden Studie (Maria-Luisa Schmitz, Philipp Gonon, Juliette Désiron, Tessa Consoli und Chiara Antonietti) wurden verschiedene Argumente für schulspezifische digitale Strategien von Schulleitungen analysiert. Basis bilden halbstrukturierte Interviews mit neun Schweizer Schulleitungen (7 Berufsschulen und 2 Fachmittelschulen), die als digital fortschrittlich gelten. Die Studie zeigt, dass Digitalisierung in erster Linie als Mittel für guten Unterricht verstanden wird. Digitalisierung wird aber auch genutzt, um digitale Kompetenzen zu vermitteln und Prozesse effizienter zu machen, etwa bei Korrekturen, Organisation und Prüfungen. Auch marktbezogene Gründe kommen vor, etwa die Konkurrenz zwischen Schulen, Ressourcenfragen oder der Anspruch, mit der Entwicklung im Arbeitsmarkt Schritt zu halten. Weitere Argumente beziehen sich auf Chancengleichheit, digitale Teilhabe und den staatlichen Auftrag der Schule. Die meisten Schulleitungen sehen die Covid-19-Pandemie als starken Impulsgeber für ihre Digitalisierungsbemühungen.

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Swiss Leading House «Economics of Education», Working Paper No. 253

Wenn Jugendliche ihre eigenen Fähigkeiten ungenau einschätzen

Wer die eigenen Stärken und Schwächen schlecht kennt, hats schwerer im Beruf. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung von Daten aus standardisierten beruflichen Eignungstests (gateway.one) und Verwaltungsdaten zu Bildungswegen und frühen Arbeitsmarktergebnissen in der Schweiz. Drei Effekte konnten belegt werden: Erstens verzerrt eine ungenaue Selbsteinschätzung die Berufswünsche zu Beginn der Berufswahl; diese Personen bevorzugen Berufe, die nicht gut zu ihren tatsächlichen Kompetenzen passen. Zweitens halten diese Verzerrungen bis in die realisierten Ergebnisse hinein an: Selbst nach der Möglichkeit, Entscheidungen zu revidieren, bleiben Personen mit ungenauer Selbstkenntnis im gewählten Beruf stärker fehlbesetzt. Und drittens ist eine unvollständige Selbsteinschätzung mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine vorzeitige Auflösung von Ausbildungsverträgen verbunden. Die Forschenden glauben, dass schon kleine Verbesserungen der Selbstkenntnis den Jugendlichen helfen würden, passendere Berufe zu wählen und ihre Ausbildungschancen zu verbessern.

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Studie «Regionale Perspektive zur höheren Berufsbildung im Kanton St.Gallen»

St.Galler Unternehmen zufrieden mit der Höheren Berufsbildung

Die Höhere Berufsbildung ist eine etablierte und breit akzeptierte Stütze der Regionalwirtschaft im Kanton St.Gallen. Betriebe attestieren ihr hohe Relevanz, Praxisnähe und Passung; auch regional wird das Angebot mehrheitlich als ausreichend wahrgenommen. Dies sind zentrale Feststellungen einer Untersuchung der Universität St.Gallen und der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell, für die unter anderem 1’065 Unternehmen befragt wurden. Tatsächlich verfügten 2023 21% der Erwerbstätigen mit Arbeitsstätte im Kanton über eine HBB als höchsten Abschluss (Schweiz: 17%). Der Bericht stellt die Angebotsstruktur, die regionale Nachfrage, die betrieblichen Perspektiven, die Trends und daraus abgeleitete Empfehlungen dar. Dazu gehört etwa die Feststellung, dass ein starker Praxisbezug ein Erfolgsfaktor der Ausbildungen darstellten. Dieser komme allerdings heterogen und teils informell zustande; Risiken lägen darum in geringer Transparenz, Übersicht sowie Personenabhängigkeit (Dozierende, Schlüsselpersonen). Der Bericht formuliert sechs Empfehlungen.

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Studie im Rahmen des Forschungsprojekts DigiTraS II

Herausforderungen bei der Integration generativer Künstlicher Intelligenz in die Berufsbildung

Eine häufige Nutzung generativer Künstlicher Intelligenz (GenKI) im Unterricht korreliert laut subjektiver Einschätzung der Lernenden mit besserem Lernen. Gleichzeitig korreliert sie jedoch auch mit einer Verringerung des schulischen Lernaufwandes durch Schummeln. Zu diesem Ergebnis kommt eine an fünf Berufsfachschulen durchgeführte Untersuchung der Universität Zürich und der EHB. Die Studie zeigt zudem, dass die Art und Weise, wie Lernende und Schulen mit GenKI umgehen, die digitale Geschlechterkluft reproduziert. Der vorliegende Beitrag fasst weitere Ergebnisse zusammen und fordert dazu auf, einen kritischen, reflexiven medienpädagogischen Ansatz sowie weitere Massnahmen im Umgang mit GenKI zu ergreifen.

Studie «Kompetenzanforderungen in der Höheren Berufsbildung» der ETH Zürich und der ZHAW

Gleiche Bildungsstufe – aber teilweise ganz unterschiedliche Anforderungen

Die Höhere Berufsbildung bedient mit den drei Abschlusstypen (Fachausweis, Diplom HFP und Diplom HF) unterschiedliche Anspruchsniveaus, die im Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) auch unterschiedlich eingestuft werden. In der Studie «Kompetenzanforderungen in der Höheren Berufsbildung» untersuchen Thomas Bolli, Maria Esther Oswald-Egg und Ursula Renold verschiedene Indikatoren dafür, welche Anforderungen die drei Stufen tatsächlich stellen. Sie zeigen, dass die HFP die höchsten Anforderungen aufweist. Zudem haben die Anforderungen eine grosse Bandbreite – insbesondere bei BP und HFP. So differierten für die HF-Bildungsgänge die geforderte Vorbildungs- und Erfahrungsjahre zwischen einem und sechs Jahren, bei den BP und den HFP gar zwischen einem und 13 Jahren. Die Unterschiede innerhalb der Programme bedeuten, so die Schlussfolgerung der Studie, dass zwei BP- oder HFP-Titel in der Praxis ganz unterschiedliche Kompetenzniveaus abdecken können – eine Herausforderung für transparente Titelzusätze und für die Vergleichbarkeit auf dem Arbeitsmarkt.

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Allgemeinbildender Unterricht

Die Sprachleiter: ein Modell zum systematischen Aufbau von Lese- und Schreibkompetenzen

Sprachliche Fähigkeiten sind eine wichtige Grundlage für eine gelingende berufliche Karriere. Sie bilden deshalb einen zentralen Lerninhalt der beruflichen Grundbildung. Allerdings fehlt eine didaktische Perspektive darauf, wie sprachliche Kompetenzen im Verlauf der beruflichen Grundbildung systematisch aufgebaut werden können. Im vorliegenden Beitrag wird das Modell der Sprachleiter vorgestellt. Es zeigt den Weg von einfachen zu immer anspruchsvolleren Aufgaben und Lernmaterialien, der allerdings von entsprechenden Fördermassnahmen flankiert werden muss.

Studie im Bereich Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik (Mint) an der Universität Freiburg

Wer bewusster lernt, lernt mit mehr Erfolg

Welchen Einfluss hat die Selbstregulierung des Lernens (ARA – Metakognition und Motivation) auf die Leistungen der Lernenden im MINT-Bereich? Diese Frage ist Gegenstand einer Studie der Universität Freiburg (Olivier Rérat und Jean-Louis Berger), an der 180 Lernende teilnahmen. Diese beantworteten Fragebögen zu verschiedenen Aspekten der ARA (Einschätzung des Selbstvertrauens, Kalibrierung [das Ausmass, in dem diese Einschätzung realistisch ist], Selbstwirksamkeit, Interesse, Bedeutung und Nutzen) und absolvierten Tests zum räumlichen Vorstellungsvermögen. Ergebnis: Lernende, die mehr Vertrauen in ihre Leistungen hatten, diese genau einschätzten und sich für das Thema interessierten, erzielten bessere Ergebnisse. Das Gefühl der Selbstwirksamkeit allein führte nicht zu besseren Leistungen, sondern nur, wenn es mit metakognitiven Variablen (Einschätzung des Selbstvertrauens und Kalibrierung) verbunden war. Die Autoren kommen zum Schluss, dass die Förderung eines bewussten ARA-Ansatzes die Leistungen der Lernenden begünstige, insbesondere in beruflichen Bildungskontexten mit anspruchsvollen Aufgaben.

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Swiss Leading House «Economics of Education», Working Paper No. 252

GenKI würde die Ausbildungsbereitschaft vieler Firmen mindern

Wie wirkt sich Automatisierung in der Zeit von generativer KI (GenKI) auf die Entscheidung von Unternehmen aus, Lernende auszubilden? Die vorliegende Studie von Christian Gschwendt und Claudio Schilter untersucht diese Frage anhand eines Vignetten-Experiments mit Personalverantwortlichen aus über 2‘800 Schweizer Unternehmen. Es zeigt sich, dass eine grosse Mehrheit der Unternehmen angibt, sie würde die Zahl der Ausbildungsplätze als Reaktion auf Automatisierungsaussichten der Branche reduzieren. Kürzungen fallen dabei umso grösser aus, je höher der erwartete Anteil automatisierter Aufgaben ist und je früher die erwartete Umsetzung erfolgt. Die Auswirkungen sind in routinereichen und KI-exponierten Berufen sowie bei grossen Unternehmen deutlich stärker.

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«Interkontinentaler Dialog» im Bundeshaus dank Movetia

Digitale Transformation der Berufsbildung: Was kann die Schweiz von anderen Ländern lernen?

Künstliche Intelligenz (KI) und andere neue digitale Möglichkeiten verändern Berufsbilder und damit auch die Berufs- und Erwachsenenbildung. Wie geht die Schweiz, und wie gehen andere Länder mit dieser Herausforderung um? Auf Einladung der Schweizerischen Gesellschaft für angewandte Berufsbildungsforschung SGAB und der PH Zürich tauschten sieben Fachleute aus Asien, Afrika und Europa am 11. März 2026 im Bundeshaus ihre Erfahrungen mit einem Dutzend Schweizer Politikerinnen sowie Behörden- und Verbandsvertretern aus.

Interview zum Bildungsbericht Schweiz 2026 mit Samuel Lüthi

Licht und Schatten in der Berufsbildung

Die schulischen Leistungen vieler Jugendlicher, die in eine Lehre eintreten, sind stark gesunken. Innerhalb von zehn Jahren vollzog sich in den Bereichen Schulsprache und Mathematik ein Kompetenzabfall von einem ganzen Schuljahr. Dies ist eine Hauptaussage des jüngsten Bildungsberichts der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung SKBF|CSRE. Gegenüber dem vorangegangenen Bildungsbericht gibt es aber auch positive Meldungen: So ist der Terrainverlust gegenüber der Allgemeinbildung gestoppt.

Vertiefende Untersuchung im Rahmen der Kosten-Nutzen-Studie der EHB

Weiterbeschäftigung von Lernenden nach Abschluss der beruflichen Grundbildung

Die neuste Erhebung von Kosten und Nutzen der Berufsbildung bestätigt, dass die Ausbildung von Lernenden im Durchschnitt für 71% der ausbildenden Betriebe schon während der Lehrzeit rentabel ist. Für 29% der Betriebe entstehen während der Ausbildung von Lernenden jedoch mehr Kosten als Erträge. Viele sind daher auf den Verbleib von Lernenden nach dem Lehrabschluss angewiesen, denn sie nutzen die Ausbildung von Lernenden als Rekrutierungskanal für Fachkräfte. Wie oft und welchen Betrieben gelingt es, ihre Lernenden nach Lehrabschluss weiterzubeschäftigen?

ZEM CES publiziert standardisierte Abschlussklassenbefragung 2025

Ein Füllhorn an Antworten zur Schulqualität

Die jüngsten Auswertungen der standardisierten Abschlussklassenbefragung (SAB) des ZEM CES sind erschienen. Sie liefern eine Vielzahl von Antworten auf Fragen in den Dimensionen Lehrpersonenexpertise, Schulführung, Unterricht, soziale Beziehungen und überfachliche Kompetenzen. Ein Beispiel: 76% der befragten EFZ-Lernenden finden, dass ihre Lehrpersonen sie (auf einer Skala von 1 bis 6) ziemlich, überwiegend oder voll und ganz aufmerksam beim Arbeiten begleiten. Das interaktive Dashboard mit den Ergebnissen ermöglicht differenzierte Abfragen etwa nach der Schulstufe (EBA, BMS, FMS usw.) dem Geschlecht oder Vergleiche mit früheren Befragungen. Ergänzend zu den bereits verfügbaren Ergebnissen integriert das Dashboard neu die Daten der Wahlmodule «Digitaler Wandel» sowie «Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung». Die SAB finden alle drei Jahre statt. An der aktuellen Befragung 2025 nahmen 242 Teilschulen mit insgesamt 25‘800 Schülerinnen und Lernenden teil.

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Dissertation zur Entstehung beruflicher Bildungssysteme im 20. Jahrhundert

Berufsbildung als Staatsprojekt

Wie ist das berufliche Bildungssystem in der Schweiz entstanden – welche Rolle hatte der Staat, wie agierten nicht-staatliche Institutionen? Dieser Frage geht Stefan Kessler (Universität Zürich) in einer kumulativen Dissertation (open access) nach. Er kommt zum Schluss, dass sich die Entstehung von Berufsbildungssystemen in der Schweiz weder als Ergebnis linearer staatlicher Planung noch als blosses Produkt gesellschaftlicher Selbstorganisation verstehen lasse. Berufsbildung entstehe in einem Spannungsfeld, in dem staatliches Handeln, Nicht-Handeln und Delegation öffentlicher Aufgaben jeweils spezifische Systembildungsprozesse ermöglichen, begrenzen, verzögern oder vorantreiben. Berufsbildung erscheine damit als ein historisch kontingentes Staatsprojekt, das sich in Aushandlungsprozessen zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren formiere und transformiere.

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Projekt Berufsfelddidaktik in der Schweiz abgeschlossen

EHB publiziert einen Leitfaden zur Kreativitätsförderung

Die EHB hat unter der Leitung von Prof. Antje Barabasch ihr Projekt «Berufsfelddidaktik in der Schweiz» abgeschlossen. Ziel war die Erforschung und Förderung transversaler Kompetenzen, insbesondere Kreativität, in der Berufsbildung. Als zentrales Ergebnis entstand ein praxisorientierter Leitfaden für Lehrpersonen an Berufsfachschulen. Der Leitfaden macht sichtbar, wie Kreativitätsförderung entlang aktueller didaktischer Modelle gestaltet werden kann. Er soll Lehrpersonen helfen, kreativitätsfördernde Lernszenarien bewusst zu planen und im Unterricht umzusetzen. Dabei werden unterschiedliche Lernsettings und berufliche Kontexte berücksichtigt.

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Swiss Leading House «Economics of Education», Working Paper No. 251

Möchten Jugendliche mit GenAI arbeiten?

Jugendliche haben eine Abneigung gegen die Zusammenarbeit mit GenAI am Arbeitsplatz, Mädchen noch mehr als Jungen. Das zeigt ein Experiment mit einer national repräsentativen Stichprobe von über 7.000 Schweizer Jugendlichen im Alter von etwa 15 Jahren (Christian Gschwendt, Martina Viarengo and Thea S. Zöllner). Die Präferenzen sind jedoch nuanciert: Jugendliche begrüssen eine stärkere Zusammenarbeit mit GenAI, vorausgesetzt, dass der Einsatz moderat bleibt und nicht mit einem erhöhten Risiko der Automatisierung von Arbeitsplätzen einhergeht. Schliesslich verbessern Weiterbildungsmöglichkeiten in Berufen die Einstellung gegenüber der Zusammenarbeit mit GenAI bei beiden Geschlechtern.

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Erfahrungen aus der «Tour de Suisse» 2025 der Table Ronde Berufsbildender Schulen

Vier Schulen – vier Wege der Handlungskompetenzorientierung

Die Umsetzung der Handlungskompetenzorientierung (HKO) in den Berufsfachschulen erfolgt auf erstaunlich unterschiedliche Weise. Dies ist das zentrale Ergebnis der letztjährigen «Tour de Suisse», in deren Rahmen vier Berufsfachschulen Einblick in ihre pädagogische Praxis gaben. Die konkrete Umsetzung der HKO ist stark und ist durch die Rahmenbedingungen und pädagogisch-didaktischen Konzepte der Schulen geprägt. Das macht die einzelnen Modelle zur Inspirationsquelle und zu «Good Practices».

Dieter Euler

Die Kunst, mit Unbelehrbaren zu kommunizieren

Wir alle kennen die Situation: Ein Gesprächspartner weiss alles besser. Und er ist, obwohl er nachweislich falsch liegt, unbelehrbar. Aber stimmt das wirklich – unbelehrbar? Wie kommt man mit solchen Menschen ins Gespräch? Nicht mit Fakten oder Argumenten, wie die Forschung zeigt. Aber mit einer klugen Gesprächstaktik, die aus freundlichem Zuhören und einer verständigungsorientierten Gesprächsführung besteht.

Studie am Lehrstuhl für Berufs- und Weiterbildung der Universität Zürich

Wie werden Lerngelegenheiten im Kontext der Erwerbstätigkeit genutzt?

Wir lernen ein Leben lang. Aber warum entscheiden wir uns manchmal dafür, einen Weiterbildungskurs zu belegen oder bewusst etwas Neues zu lernen? Was bewegt uns, Lerngelegenheiten zu nutzen? Dieser Frage widmete sich ein Forschungsprojekt der Universität Zürich, in dessen Rahmen 62 in der Schweiz erwerbstätige Personen befragt wurden. Das Projekt identifizierte zehn unterschiedliche Lerngründe – und daraus resultierend zehn typische Situationen, in denen sich Erwerbstätige dem Lernen zuwenden.

Neun Fallstudien der EHB im Rahmen eines SNF-Forschungsprojekts

Lernräume als Gestaltungsmittel für neue Lernkulturen

Die Berufsbildung verändert sich durch flexible Lernräume, digitale Konzepte und praxisnahe Lernformen. Lernende übernehmen zunehmend Verantwortung und arbeiten selbstorganisiert. Dies erfordert mobile Lernorte, personalisierte Betreuung und koordinierte Ausbildungskonzepte, um Kollaboration und Eigenständigkeit zu fördern. Ein SNF-Forschungsprojekt der EHB untersuchte Beispiele solcher Lernorte. Ein Fazit: Eine flexible Arbeitskultur, in der an verschiedenen Standorten gelernt und gearbeitet werden kann, entspricht einem Bedürfnis.

Die Sicht von Lernenden in der Romandie auf die Politik

«Demokratie ist nichts für mich» – Wirklich?

Jugendliche in der beruflichen Bildung kümmern sich weniger um Politik als ihre Altersgenossen in der Allgemeinbildung (Gymnasium). Ist dies als Desinteresse zu verstehen? Die vorliegende Studie zeigt ein anderes Bild: Viele Lernende haben das Gefühl, aufgrund ihres Alters und des geringeren Stellenwerts ihrer Ausbildung nicht ernst genommen zu werden. Sie empfinden die Politik als einen distanzierten und kodifizierten Ort, der denjenigen vorbehalten ist, die über mehr Ressourcen oder einen akademischeren Hintergrund verfügen. Sie sind der Meinung, dass ihre Erfahrungen aus der Praxis und ihre praktischen Kompetenzen selten berücksichtigt werden.

EHB-Projekt «Aufbau von Fremdsprachenkompetenzen an den Lernorten Betrieb und Berufsfachschule»

Was braucht es, damit Jugendliche in der Lehre eine Fremdsprache lernen?

Rund die Hälfte aller Lernenden in der Schweiz erwerben in der Berufsfachschule eine Fremdsprache. Manche Lernende sind in ihrem Betrieb mit Fremdsprachen konfrontiert, während andere nur die Landessprache sprechen. Für sie übernimmt die Berufsfachschule eine kompensatorische Funktion. Dabei werden Fremdsprachen nicht mehr primär als eigenes Fach verstanden, sondern als Bestandteil beruflicher Handlungskompetenz. Aber wie gut bewältigen berufskundliche Lehrpersonen diese Aufgabe? Eine Studie der EHB zeigt Chancen und Schwierigkeiten.